Sonntag, 25. März 2012

DER STRUWWELPETER, von Heinrich Hoffmann

"Der Struwwelpeter" ist längst ein Klassiker. Seitdem diese Kindergeschichtensammlung  im Jahr 1844 veröffentlicht wurde, war das Buch immer sehr geliebt. Jeder kennt die Geschichten vom Suppenkaspar oder vom zündelnden Paulinchen.
Alle Geschichten im Struwwelpeter zeigen eine deutlich erkennbare Moral. Meist handelt es sich um Kinder, die auf die Ermahnungen ihrer Eltern nicht hören und dafür oft schlimme Konsequenzen tragen müssen, sogar den Tod, was heutzutage grauselig und gar nicht für Kinder geeignet wirkt.
In jüngerer Zeit wird der autoritäre Erziehungsstil, der aus den Geschichten des „Struwwelpeter“ spricht, wegen seiner bürgerlichen Moralvorstellungen zunehmend kritisch gesehen.


Im Folgenden könnt ihr als Beispiel eine der Geschichten lesen.
 
Die gar traurige Geschichte

mit dem Feuerzeug.


Paulinchen war allein zu Haus,
Die Eltern waren beide aus.
Als sie nun durch das Zimmer sprang
Mit leichtem Mut und Sing und Sang,
Da sah sie plötzlich vor sich stehn
Ein Feuerzeug, nett anzusehn.
„Ei,“ sprach sie, „ei, wie schön und fein!
Das muß ein trefflich Spielzeug sein.
Ich zünde mir ein Hölzchen an,
Wie’s oft die Mutter hat getan.“


Und Minz und Maunz, die Katzen,
Erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
„Der Vater hat’s verboten!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Laß stehn! Sonst brennst du lichterloh!“

Paulinchen hört die Katzen nicht!
Das Hölzchen brennt gar hell und licht,
Das flackert lustig, knistert laut,
Grad wie ihr’s auf dem Bilde schaut.


Paulinchen aber freut sich sehr
Und sprang im Zimmer hin und her.
Doch Minz und Maunz, die Katzen,
Erheben ihre Tatzen
Sie drohen mit den Pfoten:
„Die Mutter hat’s verboten!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Wirf’s weg! Sonst brennst du lichterloh!“

Doch weh! Die Flamme faßt das Kleid,
Die Schürze brennt; es leuchtet weit.
Es brennt die Hand, es brennt das Haar,
Es brennt das ganze Kind sogar.


Und Minz und Maunz, die schreien
Gar jämmerlich zu zweien :
„Herbei! Herbei! Wer hilft geschwind?
Im Feuer steht das ganze Kind!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Zu Hilf’! Das Kind brennt lichterloh!“


Verbrannt ist alles ganz und gar,
Das arme Kind mit Haut und Haar;
Ein Häuflein Asche bleibt allein
Und beide Schuh’, so hübsch und fein.


Und Minz und Maunz, die kleinen,
die sitzen da und weinen:
"Miau! Mio! Miau! Mio!
Wo sind die armen Eltern? Wo?"
Und ihre Tränen fließen
Wie’s Bächlein auf den Wiesen

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